Kultur

Von kalten Konzertsälen und fantastischem Essen

Ziel meiner ersten Reise außerhalb Europas war China. Mit einem Baden-Württembergischen Studentenorchester ging es 2018/19 auf eine dieser typischen Silvesterkonzert-Tourneen, zunächst in die Region Guangzhou, nach Shenzhen und anschließend noch nach Shanghai – von Hotelzimmer zu Konzertsaal und wieder zurück. Doch ab und zu konnten wir auch ein paar Einblicke vom Land erhaschen.

Auf dem Silvesterprogramm stand natürlich die 5. Symphonie von Beethoven und zudem das wunderschöne Klavierkonzert in g-Moll von Ravel. Geprobt haben wir dafür vier Tage vor Weihnachten in der Stuttgarter Musikhochschule.

Wir spielten in renommierten, großen Konzertsälen in China, in denen schon viele bekannte Künstler und Orchester aufgetreten sind. Allerdings vermutlich alle im Sommerhalbjahr. Jetzt, im Winter, waren anscheinend keine anderen Konzerte vorhergesehen. Die Heizung waren kalt, sodass wir manchmal bei eisigen 17 Grad in Konzertkleidung spielen durften. Glücklich die Musiker, die schwarze Schals zum Umhängen dabei hatten.


China ist ein Land mit viel Tradition, Modernität, aber auch extremer Kontrolle. Dies wird in den unterschiedlichsten Situationen deutlich. Am Flughafen werden die Gesichter registriert und selbstverständlich alle zehn Finger eingescannt (wohingegen Deutschland höchstens einen Daumen registriert hat), an Kreuzungen gibt es in Shanghai an allen Ampeln Kameras und Bildschirme, auf denen direkt Namen und Bild von denjenigen erscheinen, die bei rot über die Straße gegangen sind. Und in einer öffentlichen Toilette wurde das Gesicht von jedem eingescannt, der ein paar Blatt Papier erhalten wollte. Vielleicht als Vorbeugung gegen Toilettenpapierraub. (Eine interessante Erfindung für die Zeit der Corona-Pandemiezeit 😀 )

Blick vom Shanghai-Tower

Shanghai ist eine Stadt der Gegensätze. Zum einen gibt es einen alten Stadtkern mit den traditionellen chinesischen Bauten und zum anderen die Wolkenkratzer mit dem Shanghai Tower als zweithöchstem Gebäude der Welt (Stand Mai 2020), das mit seinen 632 m Höhe und dem Aufzug mit 20,5 m/s wirklich beeindruckt. Die Aussichtsplattform bietet einen unglaublichen Blick auf die Millionenmetropole Shanghai.

Dass in Shanghai lange nicht alles modern und neu ist und China immer noch von einem starken Sozialgefälle geprägt ist, machte mir ein Blick in die Nebenstraßen deutlich. Von der Haupteinkaufsstraße, die dem Times Square ähnelt, sind wir abgebogen, um noch andere Läden zu sehen. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Eigentlich schon paradox, wie nah reich und arm nebeneinander liegen.

Als wir viele Tage in einer „Kleinstadt“ übernachtet haben, die trotz ihrer 2 Millionen Einwohner wirklich wie ein verlassenes Städtchen wirkte, konnte man bisschen mehr Gewohnheiten der Chinesen erleben. Hier fährt niemand Fahrrad, sondern „Elektrorad“ bzw. Moped. Fußgänger sind auf dem Fußweg sichtlich unerwünscht. Mopedfahrer haben Vorrang. Fast schon ein Muss sind die großen Topfhandschuhe (am liebsten Hallo Kitty), die manchmal direkt am Moped festgemacht sind, oder der umgekehrte Mantel, der zum Schutz vor dem kalten Wind vor dem Körper getragen wird.
Faszinierend zu erleben, wie sehr die Autos auf die Mopedfahrer Rücksicht nehmen, auch wenn diese beispielsweisen gegen die Fahrtrichtung fahren. Das scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein.

Hello Kitty -Moped

Das überwältigendste an der Reise war für mich das chinesische Essen. Ich habe noch nie so fantastische Speisen gegessen. Das üppige Buffet hatte so viele Köstlichkeiten, die kein asiatisches Restaurant in Deutschland bieten kann. Ich hatte erstaunlicherweise sogar kein Problem, gegen meine Gewohnheit, drei Mal am Tag warm zu essen. Und das Essen lag so leicht im Magen, dass ich nach Herzenslust Kosten konnte. Mein absolutes Highlight: Dumplings 🙂

Modernität trifft Tradition